Da ich die letzte Nacht doch nicht bei dem geplanten Campingplatz schlief, sondern noch eine Station vorher, konnte ich nicht wie gedacht mit der Wanderung zu den Blencoe Falls starten und habe stattdessen meinen Weg dorthin neu gestaltet. Anstatt die dreieinhalb Stunden durchzufahren, machte ich bereits nach einer Stunde den ersten Zwischenstopp.
Hinchinbrook Lookout
Ich landete beim Hinchinbrook Lookout, der einen atemberaubenden Blick über das Meer, welches wie ein Fluss erscheint, hinweg zur Hinchinbrook Island offenbart. Er war wie viele andere direkt an der Straße, jedoch musste ich über eine Auffahrt hoch und über eine Brücke auf die andere Straßenseite, um beim Parkplatz anzukommen. Zuerst fiel mir ein riesiger Unterstand mit mehreren Info-Tafeln auf. Ich nahm mir die Zeit, zumindest ein paar davon zu lesen. Sie erzählten über die Geschichte des Ortes, die Besonderheiten der Highway, die mich hierher führten; über den Ausblick und die vielen Berge im Hintergrund; über die Flora und Fauna, die in dieser Region heimisch ist, und auch über die Kultur der Ureinwohner, deren Utensilien und Geschichten.
Panjoo Lookout
Nebenan sah ich einen kleinen Wanderweg, der mich in zwei Minuten zum Panjoo Lookout führte. Der Weg führte mich durch Bäume und über eine Betontreppe zu einem Platz auf dem Berg, der mich uneingeschränkt über das ganze Tal blicken ließ. Von hier oben sah der Wald unten aus wie eine dunkelgrüne Wiese, die durch mehrere Wasserwege durchkreuzt wurde. Auch hier stach besonders die Berglandschaft der Hinchinbrook-Insel aus dem Hintergrund hervor. Es war zwar bewölkt, aber dennoch war ich beeindruckt. In mir wurde die Neugierde geweckt, mir irgendwann auch diese Insel genauer anzusehen. Mittlerweile habe ich auch mehrere Flyer entdeckt, die verschiedene Wanderwege und andere Aktivitäten dort aufzeigen. Doch da die Insel riesig erscheint, bräuchte es wohl mehr als einen spontanen Tagesausflug.



Märchenwiese
Ich machte mich wieder auf den Weg weiter in den Norden. Zumindest war das der Plan. Irgendwie war ich wohl so verwirrt, dass Cairns, was dort ausgeschildert war, viel zu weit weg wäre, dass ich mich für die andere Richtung, nach Townsville, entschied. Nur um dann festzustellen, dass ich unten doch auf der falschen Seite der Straße ankam. Da die Bruce Highway, die Hauptstraße, die in Queensland an der Ostküste Nord und Süd miteinander verbindet, ziemlich stark befahren ist, musste ich erstmal ein Stück zurück in den Süden fahren, bis ich eine kleine Seitenstraße fand, an der ich umdrehen konnte. Manche Dinge passieren wohl aus einem guten Grund. Ich landete bei einer Wiese, auf der Pferde grasten. Dazwischen war ein kleiner Teich, mit Seerosen bedeckt. Als ich ankam, waren neben dem braunen Pferd noch drei weiße Vögel, die nur leider davonflogen, als ich ausstieg, um diesen märchenhaften Anblick einzufangen. Die Erde wirkte flach und die Wiese war durch eine dichte Baumreihe begrenzt. Es war noch immer ziemlich bewölkt, aber angenehm warm. Ich fühlte mich wie im Sommer auf einem Bauernhof, ganz frei und naturgebunden.

Gerne wäre ich noch ein Weilchen länger geblieben, um das perfekte Foto dieser Szenerie abzulichten, aber es gab noch so viel mehr, was ich heute entdecken wollte.
Cardwell Forrest Drive
Nach einer weiteren halben Stunde Fahrt kam ich in Cardwell an. Doch anders, als mein Navi mir vorschlug, bog ich schon kurz vorher in einen kleinen Feldweg ein, der mich durch einen Wald führte. Ich war fasziniert von den ganzen mittelgroßen Nadelbäumen, die dicht nebeneinander wuchsen und mir nur den Blick über den Sandweg hinweg zu den Bergen in der Ferne frei ließen. Anfangs leuchtete der Weg noch, doch es zog sich dunkelgrau zu. Zum Glück tröpfelte es hier nur etwas und der Regen verschwand wieder, als ich zum Wandern ausstieg.

Cardwell Lookout
Ich fuhr zuerst zu einem weiteren Lookout, der mich auch mit einem kleinen Unterstand begrüßte, welcher den Blick über den Wald und den kleinen Ort Cardwell hinweg zum weiten Meer offenbarte. Ein kleines Schild nebenan zeigte mir, was es im Cardwell Forest noch zu erkunden gab. Von hier aus startet eine Wanderung, die mich zu drei weiteren Aussichtspunkten führte.



Der Himmel war mittlerweile fast wolkenfrei und es wurde ziemlich heiß. Ich hatte eine ganze Menge Stufen zu gehen, die aus mehreren größeren Steinen zusammengesetzt waren. Der Waldweg führte mich bergauf an ganz vielen kleinen, schmalen Bäumen vorbei, sodass ich überall zumindest stückweit den tiefblauen Himmel in der Ferne beobachten konnte.
Hinchinbrook Channel Lookout
Nach knapp 250 Metern kam ich bei der ersten Abzweigung an, die mich zunächst weiter bergauf zum Hinchinbrook Channel Lookout führte. Die Bäume wurden weniger und stattdessen häuften sich Grasbäume (Xanthorrhoea), die tatsächlich aussehen, wie ein kleiner Baumstumpf, auf dem lange Grashalme wachsen. Vom Lookout aus konnte ich tatsächlich auch hier in der Ferne das Meer und Hinchinbrook Island mit seinen riesigen Bergen sehen, die sich gerade in Wolken versteckten.


Hinchinbrook Island Lookout
Ich bin diesen Berg wieder etwas runtergegangen und rüber auf einen anderen nebenan hochgewandert, bis ich nach weiteren 300 Metern wieder an einer Gabelung ankam. Kurzerhand beschloss ich, zuerst nach rechts zu gehen, zum Hinchinbrook Island Lookout. Von hier aus hatte ich einen ähnlichen Ausblick, jedoch war der Vordergrund ein ganz anderer. Man konnte mehr von der Stadt am Meeresrand und dem Wald dahinter sehen. Außerdem war der Blick durch die hohen Blüten einiger Grasbäume geprägt.
Cardwell – Rockingham Bay Lookout
Zuletzt machte ich mich auch auf den kurzen Weg zum letzten Aussichtspunkt, dem Cardwell – Rockingham Bay Lookout. Dieses Mal war die Blickrichtung eine etwas andere, eher gleich der vom Cardwell Lookout. Man sah den Cardwell Forest in voller Pracht und wie sich die dunkelgrünen Nadelbäume von den helleren Laubbäumen absetzten. Nur ein paar Häuser waren erkennbar und rechts kam auch nur das nördliche Ende der Hinchinbrook Island zum Vorschein. Stattdessen sah ich das Meer in seiner vollen Tiefe, wie es in der Ferne fast mit dem blauen Himmel verschmolz. Im gleichen Augenblick kreiste plötzlich ein riesiger Adler über mir durch die Luft. Er kam immer dichter, bis er im Schutze der Sonnenstrahlen verschwand.





Weiterfahrt
Ich machte mich wieder gemütlich auf den Rückweg und nach etwa einer Viertelstunde war ich auch wieder bei meinem Auto angekommen. Ich warf noch einen kurzen Blick auf die Karte, die mir den Weg durch den Wald zur Attie Creek zeigte. Sicherheitshalber nutze ich trotzdem mein Google Maps, denn ich kam an mehreren Abzweigungen vorbei, die weiter in den Wald führten. Der Sandweg war zwar recht breit und gut befahrbar, aber ich fuhr trotzdem langsam und vorsichtig, um nicht allzu viel Sand und Steine aufzuwirbeln, die gegen meinen Wagen prallten. Außerdem hatte der Weg teilweise auch Corrugations (engl. für Waschbrettpiste) gebildet, was wellblechartige Bodenwellen sind, die beim Fahren ganz schön huckeln.
Schlüsselprobleme
Nach nur 10 Minuten Fahrt bin ich auch schon am Parkplatz zur Attie Creek angekommen. Dort bemerkte ich zwei Australier, die an ihrem Auto herumtüftelten. Sie erzählten mir, dass der Sohn wohl versehentlich den Autoschlüssel im Bach versenkt hat und sie nun irgendwie anders ans Auto kommen müssten. Ich wüsste gar nicht, wie ich das Problem lösen könnte, wenn ich mal meinen Autoschlüssel verbummeln sollte. Schon oft genug habe ich ihn verlegt und mich über mich selbst geärgert, dass ich ihn nicht an seinen rechtmäßigen Platz lege. Glücklicherweise ist er aber immer wieder aufgetaucht – zumindest der Hauptschlüssel. Meinen Zweitschlüssel habe ich schon eine ganze Weile nicht mehr gesehen. Ich wünschte den beiden noch viel Glück mit ihrem Auto und machte mich für meine kleine Wanderung fertig.
Attie Creek Falls
Zunächst ging ich den kleinen Wanderweg bergauf, der mich zu einem kleinen Wasserfall führen sollte. Es war eindeutig, dass es hier vor kurzem noch geregnet hatte, aber davon ließ ich mich nicht abhalten. Ich hatte auch ziemlich Glück, denn zwischendurch tröpfelte es zwar nochmal etwas, aber ich bin vergleichsweise trocken davongekommen. Die Bäume hier waren schon etwas größer und dicker, aber dennoch recht luftig. Der Weg führte mich vereinzelt über ein paar Stufen, die mich auch diesen kleinen Berg hoch führten.
Nach ungefähr halber Strecke konnte ich das Rauschen des Wasserfalls hören, welches immer lauter wurde, je näher ich ihm kam. Der Weg wurde immer enger und steiniger, wo meine Flipflops wahrscheinlich nicht ganz ideal waren. In dem Moment kamen mir auch noch zwei andere Wanderer entgegen.
Ich war ganz alleine, als ich beim Wasserfall ankam. Ein paar Stufen musste ich runter, um ihn aus nächster Nähe zu erleben. Fast euphorisch zog ich mir meinen Bikini an und ging vorsichtig über die Steine ins Wasser. Das hellgrün leuchtende Wasser war eiskalt – eine gelungene Abkühlung bei der tropischen Hitze. Ich schwamm ein paar Züge, bis ich ein Geräusch hörte und mich ein komisches Gefühl übermannte. Ganz alleine im unbekannten Gewässer – wer weiß, was da sein Unwesen treibt? Wahrscheinlich war das alles nur Einbildung und ich hatte mir sinnlos Panik gemacht, aber dennoch verließ ich das kleine tiefe Wasserbecken.

Stattdessen erkundete ich nun die andere Seite. Über einige Felsen suchte sich das Wasser seinen Weg bis zur Kante, an der es ein paar Meter in die Tiefe stürzte. Ganz bedacht näherte auch ich mich dem Rand, der mir einen spannenden Blick ins Tal offenbarte. An mehreren Stellen weitete der kleine Bach sich in längliche, hellgrün leuchtende Wasserbecken. Daneben wandelten sich die Felsen bergauf in Gräser und Bäume, die den Blick hinten auf den Berg einrahmten. Ich genoss den Moment im kleinen Infinity-Pool mit dem Rauschen des Baches in meinem Ohr.


Attie Creek Pool
Mit dem Hintergedanken, dass mittlerweile 13 Uhr war und ich heute noch einiges sehen wollte, machte ich mich wieder los. Nach knapp einer Viertelstunde war ich wieder beim Parkplatz angekommen, wo das Auto ohne Schlüssel mittlerweile verschwunden war und mir ein älteres Pärchen entgegenkam. Während die beiden den Weg zum Wasserfall gingen, den ich gerade runterkam, folgte ich deren Pfad. Es gab nämlich noch einen weiteren kleinen Weg vom Parkplatz, der mich an einer Picknickecke vorbei zum unteren Teil des Baches führte. Ich kam an einen größeren Pool an. Rechts davon war ein großer Felsen, über dem das Wasser in schmaler Bahn durch kleinere Becken hinunterrauschte. Auf der linken Seite dagegen floss das Wasser weiter in den Wald hinein. Das war wohl die Hauptbadestelle des Baches, jedoch war ich ja schon im Wasser und hatte keine Lust, mich nochmal umzuziehen. Somit machte ich mich wieder auf den Rückweg zum Auto.




Cardwell Spa Pool
Den Dead Horse Creek, der auch auf der Karte verzeichnet war, übersprang ich und fuhr gleich die zehn Minuten weiter zum Cardwell Spa Pool. Besonders hier wurde es deutlich, was für einen riesigen Unterschied es macht, ob man zur Trockensaison (Mai bis Okt.) oder Regensaison (Nov. bis April) kommt.* Ich befand mich am Ende der Trockensaison. Entsprechend wenig Wasser befand sich hier in dem natürlichen Pool, der in der Regensaison zum Märchenbad erblüht. Ich hatte mich tatsächlich gefreut, hier nochmal ins Wasser zu springen, was bei so wenig Wasser aber nicht mehr so entspannt aussah. Außerdem wurde an einem Schild davor vor dem Betreten des Wassers gewarnt, denn die fehlende Wasserbewegung könnte wahrscheinlich wegen der sich bildenden Bakterien und Co. gesundheitsschädlich sein.* Stattdessen nutze ich die Pause, um eine Kleinigkeit zum Mittag zu essen. Heute gab es wieder frischen Wrap mit Tunfisch und Gemüse, was sich schnell und einfach zubereiten lässt, gut schmeckt und trotzdem relativ nahrhaft ist.





Fortsetzung folgt…
Mein Tag ging noch weiter, aber um dir eine kleine Pause zu gönnen, erfährst du erst im nächsten Artikel, wie ich stundenlang durch die Berge fuhr, zwischen Löchern, Matsch und kaputten Brücken fast verzweifelte und das alles nur, um kurz einen einzigartigen Wasserfall bewundern zu können.





























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