Lannercost Lookout
Nachdem ich gestern bereits den Großteil der Strecke zu den Wallaman Falls gefahren bin, musste ich heute nur noch etwa 25 Minuten den Berg hochfahren. Unterwegs kam ich am Lannercost Lookout vorbei, wo ich kurz Pause machte, um diesen weiten Blick hinunter ins Tal einzufangen. Es war den Morgen zwar ziemlich bewölkt, aber angenehm warm und die Aussicht war einfach nur beeindruckend.

Die Fahrt war relativ entspannt, auch wenn ich mich bergauf um enge Kurven immer noch gut konzentrieren muss. Am Aussichtspunkt zum größten Wasserfall Australiens angekommen, waren schon reichlich andere Autos – aber ich hatte zum Glück noch gerade so einen guten Parkplatz im Schatten gefunden. Mit Kleidchen, Flipflops und der Kamera machte ich mich auf den kurzen Weg zur Aussichtsplattform.
Wallaman Falls Lookout
Der Blick auf den größten Wasserfall Australiens war faszinierend. Gigantische Wassermengen stürzten im freien Fall die Klippe hinunter. Das Schild nebenan verriet mir, dass die Wallaman Falls ganze 269 m hoch sind. Das ist fast so hoch wie The Trump Building in New York mit 283 m Höhe, welches 1930 für kurze Zeit das höchste Gebäude der Welt war, bis es noch im gleichen Jahr vom Chrysler Building mit 319 m abgelöst wurde.*


Djinda Walk zum Fuße der Wallaman Falls
Als Nächstes wollte ich auch die Wanderung zum Fuße des Wasserfalls machen. Doch als ich sah, dass die meisten mit vernünftiger Wanderausstattung loszogen, dachte ich, es wäre wohl gar nicht verkehrt, wenn ich mich auch nochmal umziehe. Außerdem packte ich mir noch ausreichend Wasser, einem kleinen Snack und nur noch ein Objektiv für meine Kamera ein. In kurzer Hose, T-Shirt und Wanderschuhen ging es dann los.
Der Djinda Walk begrüßte mich mit einem Warnschild über den schwierigen Weg, wo bereits Leute aufgrund der Hitze und der starken Steigung verstorben sein sollen. Entsprechend froh war ich, mich vorab nochmal umgezogen zu haben. Jedoch schlummerte in mir auch eine leichte Sorge, ob ich es als nicht sonderlich erfahrener Wanderer, der besonders bei Steigungen so seine Probleme hat, tatsächlich schaffen würde. Die Besonderheit hier ist nämlich, dass es zuerst entspannt bergab geht und man nicht die Möglichkeit hat, wenn es nachher bergauf zu steil wird, einfach umdrehen zu können – außer man will ewig am Fuße des Wasserfalls bleiben. Doch es war an dem Tag ziemlich belebt und ich bekam von Wanderern, die gerade wieder hoch kamen, das positive Feedback, dass ich nur ausreichend Wasser und Zeit mitnehmen müsste. Außerdem war ich viel zu neugierig, was mich wohl unterwegs und vor allem unten erwarten würde, um diese Herausforderung nicht in Kauf nehmen zu wollen.

So machte ich mich also auf den Weg. Es ging zunächst einen asphaltierten Weg runter, über eine kleine Brücke, bis ich an einer Stahltreppe ankam. Nach den paar Stufen landete ich auf einem schmalen Waldweg, der sich steil und im Zickzack weiter bergab bewegte. Es gab mehrere Info-Schilder und ein paar Sitzbänke, auf die ich mich schon für den Rückweg freute. Außerdem wurde ich bereits jetzt von beeindruckenden Blicken durch das dichte, tropische Blätterdach hinaus in die weite Berglandschaft belohnt.
Während vereinzelt Leute den Berg runter, teils auch wieder hoch rannten, ging ich ganz entspannt und ließ mir Zeit, die Natur auf mich wirken zu lassen. Zwischendurch überholte ich auch welche, die mich kurze Zeit später wieder einholten. Ich ging dann eine Weile hinter den beiden, die deutsch miteinander sprachen. Über den Bananenbaum, den er entdeckte, kamen wir ins Gespräch. Kurzerhand schloss ich mich den beiden Österreichern an und wir tauschten uns über das australische Backpackerleben und unsere Erfahrungen aus, während wir uns langsam bis zum Fuße des Wasserfalles durchschlängelten.
Schon fast unten angekommen hörten wir das Rauschen des Wasserfalles, was immer lauter wurde, je dichter wir ihm kamen. Eine Öffnung im Blätterdach rahmte bereits hier das Kunstwerk der Natur ein. Immer öfter und größer wurden diese Lichtblicke, bis wir den Wasserfall uneingeschränkt in voller Pracht vor uns hatten. Von hier aus wirkte er noch größer als von oben.

Felswanderung
Als wir sahen, wie die ganzen anderen Wanderer auf den umliegenden Felsen herumwanderten und sich teilweise sogar im Wasser abkühlten, machten auch wir uns auf den Weg, um den Wasserfall aus nächster Nähe bewundern zu können. Es war gar nicht so leicht, einen sicheren Weg über die Felsen zu finden. Doch vereinzelt sahen wir Spuren, wo wohl schon öfter jemand langgelaufen sein mag. So kamen auch wir beim Wasser an, welches sich gerade vom Becken den weiteren Weg ins Tal suchte.
Abkühlung im Wasser
Meine Reisebegleiter waren deutlich besser vorbereitet als ich. Voller Vorfreude zogen sie sich ihre Badesachen an, während ich einen Moment fast traurig feststellte, dass ich mich nicht auf eine Abkühlung im Wasser eingestellt hatte. Letztendlich wollte ich mir den Spaß aber auch nicht entgehen lassen und zog mich auch bis auf die Unterwäsche aus. Was war das denn groß anderes als ein Bikini?
Das Wasser war eisig, aber schon nach kurzer Zeit hatte mein Körper sich daran gewöhnt. Bei dieser Hitze war das gerade genau das Richtige. Doch damit war unsere Neugierde noch nicht gestillt. Es kam die Idee, bis zum 20 m tiefen Becken zu schwimmen und damit fast direkt unter dem Wasserfall zu sein. Obwohl Gine ihre Sorgen kundgab, machten wir uns gemeinsam auf ins Abenteuer. Gegen die Strömung schwammen wir zwischen den Felsen entlang und kletterten über sie hinweg. Es war aufregend den Weg zu erkunden, vor allem, weil man jederzeit aufpassen musste, nicht abzurutschen und sich vielleicht zwischen den Steinen einzuklemmen. Doch trotz aller Hindernisse bahnten wir uns den Weg durch und kamen tatsächlich am riesigen Becken an. Hin und hergerissen zwischen der Neugierde, direkt unter den Wasserfall zu schwimmen, und der Vernunft, die uns die Gefahren und die enorme Kraft des Wassers aufzeigte, blieben wir doch weit genug entfernt. Ein siegerisches Gefühl überkam mich, als mir bewusst wurde, dass ich mich gerade im unteren Becken des größten australischen Wasserfalls befinde.



Kurz danach überlegten wir auch schon, ob wir den gleichen Weg durchs Wasser wieder zurücknehmen sollten. Stattdessen fiel unsere Wahl auf den Landweg, den wir erst noch suchen mussten. Das wohl größte Hindernis war es, hier eine Stelle zu finden, um überhaupt aus dem Wasser raus und auf die großen Felsen rauf zu kommen. Doch auch dafür fand sich ein Weg und da wir uns gegenseitig unterstützten, schafften es alle, hoch zu kommen. Auf dem Rückweg kamen wir noch in ein oder zwei Sackgassen, wo wir kurz umkehren und einen anderen Weg finden mussten, bevor wir wieder bei unseren Sachen ankamen.
Mittagspause
Als wir wieder trocken waren und unsere warmen Sachen an hatten, gingen wir noch ein kurzes Stück weiter flussabwärts. Dort machten wir eine größere Pause und auch hier stellte ich fest, dass die beiden anderen deutlich besser vorbereitet waren als ich. Während sie ihre Sandwich verspeisten, musste ich mich mit ein paar Nüssen begnügen, die zumindest das Bauchknurren unterdrückten und mir nochmal ausreichend Energie für den restlichen Weg gaben. Wir saßen noch eine ganze Weile dort und wärmten uns in der Sonne wieder auf. Es war herrlich, wie die warmen Sonnenstrahlen auf meinen Körper trafen, während der Wind einen leichten kühlen Wassernebel über uns warf.
Der Rückweg
Es dauerte nicht mehr lange, bis die Sonne sich am frühen Nachmittag hinter den Bergen versteckte und den Wasserfall langsam verschattete. Damit machten wir uns auf den Weg, den Berg wieder hoch zu wandern. Ich bin ziemlich froh, dieses Mal mit Gine und Simon Wanderkompanen gefunden zu haben, die auch ihren Fokus auf einen entspannten Weg legten. Auch wenn Simon zwischendurch jammerte, weil wir Mädels ständig Pause machten, blieb er doch immer in unserer Nähe und brachte sich in die Gespräche mit ein. Es war tatsächlich gar nicht so schlimm, wie ich es gedacht hatte, auch wenn es ziemlich heiß war und meine 2 Liter Wasser nur knapp ausreichten. Umso mehr genossen wir den kühlen Luftzug, der gelegentlich seinen Weg zu uns fand. Während wir vorher knapp eine Dreiviertelstunde brauchten, um runter zu kommen, war es tatsächlich nur etwas über eine Stunde, um die rund 250 Höhenmeter wieder hoch zu gehen – inklusive mehrerer kurzer Pausen.
Oben wieder angekommen sahen wir uns nochmal kurz um und verabredeten uns beim Campingplatz, der auch Startpunkt für den kurzen Banggurru Walk ist. Während die anderen nämlich dort bereits eine Nacht schliefen und die 1,6 km dazwischen zu Fuß liefen, musste ich mein Auto noch zum Camp bringen. Leicht verhungert machte ich mir vorab noch kurz einen Wrap, gefüllt mit Tunfisch und etwas Gemüse, den ich genüsslich an meinem Auto aß. Ich ließ mir Zeit, traf dann aber doch die beiden an der Kreuzung, nur noch wenige Meter vom Campingplatz entfernt.
Picknick
Ich parkte mein Auto bei der day-use area, da ich nur noch den Banggurru Walk geplant hatte, bevor ich noch den Abend weiterfahren wollte. Vorab traf ich mich mit Gine und Simon bei deren Auto. Wir legten uns auf deren Picknickdecke, plauderten und aßen eine überaus leckere Ananas, die sie von der Arbeit mitgenommen hatten. Ich hätte nicht gedacht, wie saftig-süß frische Ananas doch schmecken kann.
Bangurru Walk
Die beiden hatten den Tag zuvor bereits den Walk gemacht, begleiteten mich aber trotzdem. Da der Weg selbst wohl nicht so abwechslungsreich war, nahmen wir deren Abkürzung und gingen, mit Abstecher zu einer ziemlich interessanten Würgefeige, direkt zum Fluss, der sich an der Stelle weitet. Dieses Mal waren wir ganz alleine da und das Wasser wäre ideal zum Schwimmen gewesen, jedoch hatten wir alle keine Lust, nochmal ins Wasser zu springen. Stattdessen setzten wir uns, scannten die Umgebung und probierten meine neue Drohne aus. Es war sehr entspannend, wie das Wasser über die Steine rauschte und sich langsam zum entfernten Wasserfall bewegte.



Die Brücke
Anschließend zeigten die beiden mir noch eine andere Stelle – eine Brücke, die über den Fluss hinweg führte. Er wies wohl den Weg zu einer größeren Mehrtageswanderung, aber wir begnügten uns damit, einfach dort zu sitzen und die Stelle zu erkunden. Wir fanden mehrere Schildkröten und das Wasser wirkte relativ ruhig. Mit meiner Drohne versuchte ich, den Fluss entlang zu fliegen, in der Hoffnung herauszufinden, wie weit der Wasserfall weg war. Jedoch konnte meine DJI Neo nicht allzu weit von mir wegfliegen. Leider hatte ich auch nicht daran gedacht, einfach höher zu fliegen, um mehr zu sehen – beziehungsweise wollte ich meine erste Drohne nicht jetzt schon verlieren. Bisher kann ich noch nicht einschätzen, wozu sie fähig ist, dass ich es lieber vorsichtig angehe. Aber im Nachhinein auf der Karte betrachtet war es wohl eh noch ein ganzes Stückchen zum Wasserfall.



Planänderung
Es wurde immer dunkler, als wir uns wieder auf den Rückweg zum Camp machten. Erst dort stellte ich fest, dass ich zu meinem gebuchten Campingplatz noch 3,5 Stunden fahren müsste. Da mich der Weg auch viel durch die Berge führen würde, was im Dunkeln wahrscheinlich nicht ganz ideal war, beschloss ich, die Nacht doch dort zu bleiben. Ich verbrachte den Abend noch mit den beiden Backpackern und lernte, Monopolie Deal zu spielen, was mir viel besser gefällt als das ursprüngliche Brettspiel, bei dem ich mich mit meinen Geschwistern immer in die Haare bekomme.
Huntsman-Spinne
Das letzte Highlight des Tages war wahrscheinlich die riesige Spinne, die plötzlich hinter uns auftauchte – meine erste Huntsman (Riesenkrabbenspinne). Es gibt verschiedene Arten, die sogar eine bis zu 30 cm breite Beinspannweite haben können. Sie sind in ganz Australien verbreitet und bevorzugen enge Felsspalten, Baumstämme und Co. Sie sind zwar definitiv erschreckend, aber recht friedlich und nicht extrem giftig. In manchen australischen Haushalten ist sie sogar gerne gesehen, da sie Kakerlaken und andere Insekten isst.* Wir dagegen versuchten, sie vorsichtig zu verscheuchen.

















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