Architecture, Art & Travel

Komm mit auf meine Reise und lass dich inspirieren von der Vielfalt, die da draußen auf dich wartet.

Nach dem erlebnisreichen Vormittag zwischen Lookouts und Wasserfällen – über die du in meinem vorherigen Beitrag mehr erfährst – hatte ich mein eigentliches Hauptziel noch nicht erreicht: die Blencoe Falls. Immer noch gute 2 Stunden Fahrt hatte ich vor mir. Es war schon kurz nach 14 Uhr, was schon fast zu spät für den Ausflug war. Aber ich dachte mir, zur Not fahre ich eben direkt zum Aussichtspunkt, ohne den rund zweistündigen Jabali Walk zu machen.

Nach einer ersten entspannten halben Stunde Fahrt kam ich an einem kleinen Aussichtspunkt zur Kirrama Range an. Ich hielt kurz an, um mir das Schild, welches die Geschichte des Ortes verriet, genauer anzusehen. Dahinter leuchtete ein gelbes Getreidefeld und ein Sandweg startete, der den Weg in die Berge wies. Dort waren auch zwei weitere Schilder, die vor der Gravel Road (Schotterstraße) und steilen, engen Kurven warnten. Ich dachte mir nicht so viel dabei, zumal ich mittlerweile schon andere Strecken fuhr, die auch vor einer steilen, kurvigen Bergstraße warnten. Doch dieses Mal sollte es anders sein.

Bereits nach kurzer Fahrt kam ich am Fuße des Berges an, wo mich ein weiteres Schild warnte. Doch ich fuhr optimistisch weiter. Schnell wurde der Weg enger, als ich in den dicht bewachsenen Dschungel reinfuhr. Ich kam an einem ersten kleinen Wasserfall an, der über steile, spitze Felsen auf die Straße und zur anderen Seite floss. Der Weg wurde immer unbequemer und wir stolperten über reichlich Löcher. Ich bekam zwar die ersten Zweifel, ob ich alleine diese weite Strecke mit meinem kleinen Nissan X-Trail auf mich nehmen sollte, doch ich war noch optimistisch: So schlimm wird es schon nicht werden.

Tucker’s Lookout
Nach der ersten halben Stunde durch die Berge kam ich am Tucker’s Lookout an. Von hier aus hatte ich den idealen Blick über das riesige Tal, welches durch entfernte Berge begrenzt wurde. Ein Schild erklärte mir, was genau ich da sah. Ganz in der Ferne konnte man sogar das Meer und Hinchinbrook Island erahnen. Immer wieder finde ich es spannend, diesen Verblauungseffekt in seiner Natur wahrnehmen zu können. Denn je weiter etwas weg ist, umso mehr Luftpartikel befinden sich zwischen meinen Augen und dem Objekt und umso blauer verblasst der Hintergrund. Das ist auch der Grund, warum der Himmel blau wirkt, obwohl der Weltraum eigentlich in tiefes Schwarz gehüllt ist.

Abenteuerliche Autofahrt
Munter stieg ich wieder ins Auto. Die Straße sah immer stärker mitgenommen aus. Immer mehr Wasserrillen tauchten auf, die Teile des Kiesweges fast unbefahrbar machten. Besonders vor den kleinen Betonbrücken, die dieses Mal den Wasserfall unter der Straße durchlaufen ließen, waren Löcher, die nicht ganz gesund für das Auto aussahen. Auch durch die ganzen Corrugations und kleinen Schottersteine wurde ich ziemlich durchgeschüttelt, aber das war bisher noch nichts allzu Ungewöhnliches. Bis ich dann plötzlich durch Matsch fuhr. Erst als ich mitten drin war und sich das Fahrgeräusch änderte, bemerkte ich den schlammigen Boden. Ich dachte kurz daran, doch lieber umzukehren, aber jetzt war ich eh schon drin und letztendlich ist auch nichts Schlimmes passiert und nach ein paar Metern berührte ich auch wieder festen Untergrund.

Ich fuhr weiter und entdeckte nacheinander zwei riesige Äste, die einen Großteil der Fahrbahn blockierten. Es war eng und ich musste etwas über die Wiese fahren, um vorbei zu kommen. Etwas später kam mir auch ein Auto entgegen, bei dem ich ziemlich erstaunt war, dass wir an der engen Stelle tatsächlich nebeneinander passten. Das war auch das einzige Auto, welches mir auf dieser Strecke entgegenkam.

Nach einer Weile kam ich an einer weiteren Betonbrücke an, die jedoch ziemlich kaputt aussah, was ich erst bemerkte, als ich ihr näherkam. Beziehungsweise, als ich drauf war und mit meinem Auto schmerzhaft aufsetzte. Ich zuckte zusammen und hielt an. Der Gedanke verstärkte sich, doch lieber umzudrehen. Dieses Mal war ich auch ganz kurz davor. Aber jetzt war ich eh schon auf der Brücke und hatte es so weit geschafft. Das wäre ziemlich unbefriedigend, nicht bis zum Ende und dem riesigen Wasserfall zu fahren. Meine Neugierde puschte mich und ich fuhr wieder los. In der Hoffnung, dass das Schlimmste damit vorbei war.

Society Flats Rainforest Walk
Eine weitere knappe halbe Stunde später kam ich am Society Flats Rainforest Walk an. Ich war mehr als erleichtert, nach der ganzen Aufregung eine Pause machen zu können. Ich parkte an der Seite und stieg aus, um dem kleinen, 720 m langen Wanderweg zu folgen. Der Weg war, mal abgesehen von den ganzen Stolperfallen (Wurzeln), einfach und durch die ganzen Infoschilder über die verschiedenen Bäume auch sehr interessant gestaltet. Über ein Metallbrett überquerte ich einen kleinen Bach. Ich begegnete verschiedensten Baumstümpfen, Pilzen und riesigen Bäumen, die den Blick zum Himmel versperrten. Als ich schon fast am Ende war, begegnete ich plötzlich einer durchgerissenen Absperrung mit Stoppschild. Ziemlich verwundert, so kurz vor dem Ziel theoretisch wieder umdrehen zu müssen, ging ich wie wohl auch andere einfach daran vorbei. Ich kam an einer größeren Holzbrücke an, die tatsächlich etwas mitgenommen, aber noch ausreichend stabil aussah. Entsprechend vorsichtig bewegte ich mich rüber und kam auch sicher am anderen Ende an. Auf der anderen Seite entdeckte ich einen gigantischen, gefällten Baum, der einen riesigen Spalt im Blätterdach verursachte. Fasziniert von der Kraft der Natur ging ich weiter und kam kurz darauf auch am Ende des Rundganges an, der durch einen weiteren riesigen Baum markiert war.

Vom Dschungel zur Lichtung
Etwas entspannter machte ich mich wieder auf den Weg. Es dauerte nicht mehr lange, bis sich der dichte Dschungel etwas lichtete. Die Bäume wurden weniger und schmaler, wahrscheinlich eher eine Art Eukalyptus. Bis auf die Unebenheiten des Sandweges wurde die Fahrt auch wieder angenehmer. Ich fuhr durch ein paar offene Tore über Gitter, die die Kühe vom Durchlaufen hindern sollen. Schnell sah ich auch schon die erste Kuh am Straßenrand stehen. Entsprechend langsam und weit am Rand fuhr ich vorbei, während die Kuh langsam in den Wald ging.

Der Weg wurde teilweise ziemlich steil, aber er wirkte weniger beengt. Irgendwann kam ich zu einer eher provisorisch aussehenden, kleinen Brücke. Erst später bei der Rückfahrt stellte ich fest, dass ich nur maximal 2,5 Tonnen schwer sein durfte. Ich habe tatsächlich keine Ahnung, wie schwer mein Auto ist, aber scheinbar waren wir noch leicht genug, um heil auf der anderen Seite anzukommen.

Die letzte schwierige Stelle war eine riesige Pfütze, die mitten auf der Straße auftauchte. Scheinbar wollte keiner direkt da durchfahren, denn nebenan bildete sich ein neuer Weg den Hügel hinauf an der Pfütze vorbei. Der Weg sah zwar auch nicht ideal aus, aber deutlich ungefährlicher als durchs unbekannte Nass. Ich war überrascht, als ich zwischendurch tatsächlich wieder über Asphalt fahren konnte. Wahrscheinlich aber auch nur, weil ich auch über eine Brücke fuhr, die anscheinend in der Regensaison gerne überschwemmt wird.

Blencoe Falls Campground
Schon kurz vor dem Campingplatz entdeckte ich neben dem Fluss zwei Autos, die es sich bereits für die Nacht bequem gemacht hatten. Ich fuhr noch ein kleines Stück weiter, bis ich laut Maps am Ziel ankam. Dort entdeckte ich ein weiteres Schild, welches über den Ort und die Wanderwege berichtete. Im Hintergrund war auch das Dixi zu sehen, doch ansonsten kein anderer Camper. Dafür kam mir ein älterer Mann entgegen, der wohl vom Fluss kam. Ich fragte ihn, ob er einen entspannteren Weg für meine Rückfahrt nennen konnte, doch den gab es wohl leider nicht. Der Blick auf die Uhr verriet mir, dass es mittlerweile schon nach halb 5 war. Ich hatte nur noch zwei Stunden, ehe es dunkel werden würde. Für den Jabali Walk, den ich ursprünglich geplant hatte, würde ich wohl 1,5 bis 2 Stunden hin und zurück brauchen. Das war ziemlich knapp, wenn ich noch im Hellen die Strecke wieder zurückfahren wollte. Hätte ich nicht für diese Nacht einen anderen Campingplatz gebucht und vor allem auch nicht die River Rafting Tour morgen Nachmittag, dann wäre ich wahrscheinlich über Nacht hier geblieben und hätte tatsächlich diese Wanderung gemacht. So entschied ich mich, stattdessen direkt weiter zum Lookout zu fahren.

Kurz vor dem Ziel kam ich an einem Schild vorbei, welches den Zutritt für Unbefugte verbot. Ich war etwas verwirrt, fuhr aber weiter, schließlich gab es keine andere Alternative außer umzukehren. Nach wenigen Metern erklärte sich auch das Schild, denn plötzlich standen haufenweise Kühe vor mir. Glücklicherweise bewegten sie sich zur Seite, als ich näher kam, sodass ich langsam, unbeschadet vorbei konnte. Als ich gerade auf dem Parkplatz zum Aussichtspunkt einfuhr, hüpfte noch eine kleine Känguru-Familie über die Straße. Ich war sichtlich erleichtert, dass ich diese abwechslungsreiche Fahrt endlich hinter mich gebracht hatte.

Herbert River Gorge Lookout
Endlich beim Wasserfall angekommen, atmete ich tief durch. Niemand außer mir verirrte sich zu so später Stund in diese Berge. Doch ich genoss die Ruhe und den kühlen Windzug, der durch meine Haare wehte. Mit Kamera und Co. bepackt machte ich mich auf den Weg und entdeckte zuerst den Herbert River Gorge Lookout. Es war beeindruckend, wie dieser Fluss im Tal zwischen den Bergen floss, die mit den wenigen Bäumen wie eine Kuscheldecke wirkten. Ich fragte mich, wie es wohl in der Regensaison aussehen würde, denn so wirkte der Fluss fast wie ausgetrocknet. Die tief liegende Sonne verschattete zwar die Hälfte des Tals, dennoch war ich beeindruckt.

Blencoe Falls Lookout
Auf der anderen Seite, nur wenige Meter weiter, hörte man bereits den Wasserfall die Klippe hinunterrauschen. Ich entdeckte einen kleinen Trampelpfad, etwas den Hang hinunter. Da der Blick von oben durch die Bäume unterbrochen wurde, machte ich mich auf Entdeckungstour. Der Weg war überwuchert, schmal und steil, sodass ich aufpassen musste, nicht abzurutschen. Aber ich war neugierig, was die Sicht noch zu bieten hatte. Als der Weg zu unbequem wurde und ich einen relativ freien Blick auf den Wasserfall fand, blieb ich stehen. Der Wasserfall war ziemlich weit weg, aber laut. In mehreren Strömen floss das Wasser in weißen Strahlen den Berg hinunter. Er war zwar nicht ganz so hoch wie die Wallaman Falls von gestern, aber dafür anders beeindruckend. Die Blencoe Falls haben einen 90 Meter hohen freien Fall, was ungefähr einem 25-stöckigen Gebäude entspricht, und müssen noch weitere 230 Höhenmeter überwinden, um zum Grunde der Schlucht zu kommen.

Ich nutzte den Moment, um auch skizzenhaft den Wasserfall festzuhalten. Jedoch stellte ich fest, dass Bleistift auf Papier kaum diese Szene einfangen kann. Ich sollte wohl beim nächsten Mal an meine Farben denken.

Heimfahrt
Als ich auf die Uhr sah, war es mittlerweile schon halb sechs. Ich hatte also nur noch eine Stunde für die zweieinhalbstündige Fahrt zu meinem Campingplatz, bevor es dunkel werden würde. Etwas traurig, mir hier nicht mehr Zeit nehmen zu können, machte ich mich wieder auf den Rückweg. Wieder begegnete ich kurz hinter dem Platz einem Känguru am Straßenrand. Dieses riesige Tier saß im hohen Gras und sah mich direkt an. Es blieb lange genug dort, bis ich ein Foto gemacht hatte und es wieder im Wald verschwand. Nur wenige Meter danach begegnete ich wieder den Kühen, die dieses Mal nicht ganz so willig waren, mich zügig durchzulassen. Langsam fuhr ich dichter und wartete einige Minuten, bis auch das letzte Tier den Weg frei machte. Erfreulicherweise waren das die einzigen Tiere, die mir zu so später Stunde vor die Räder liefen.

Da ich die Strecke bereits im Hellen gefahren bin, wusste ich jetzt, worauf ich achten musste. Dennoch war Runter nochmal anders, denn aufgrund der Steigung beschleunigte mein Auto schneller, als es mir eigentlich lieb war – wobei ich tatsächlich auch schnellstmöglich ankommen und im Bett verschwinden wollte. Ich setzte ein paar Mal auf, als ich mehrfach durch tiefere Löcher in der Straße fuhr, die ich im Dunkeln kaum sehen konnte. Glücklicherweise ist uns nichts passiert und wir kamen nach rund zwei Stunden heil wieder am Fuße des Berges an.

An der Kreuzung mit dem Aussichtspunkt zur Kirrama Range, wo ich bei der Hinfahrt schon stehenblieb, hielt ich wieder an. Dieses Mal, um kurz durchzuatmen und nochmal mit meiner Familie zu telefonieren, da ich an dem Campingplatz wohl keinen Empfang haben würde. Die letzte halbe Stunde Fahrt war zum Glück recht entspannt und beim Murray Falls Camp hatte ich auch schnell einen Platz gefunden, um fix mein Dachzelt aufzubauen. Der Blick in den klaren Sternenhimmel war der gelungene Abschluss für diesen langen, erlebnisreichen Tag.

Posted in

Schreibe einen Kommentar

Entdecke mehr von Architecture, Art & Travel

Jetzt abonnieren, um weiterzulesen und auf das gesamte Archiv zuzugreifen.

Weiterlesen