Unatürlich früh bin ich an diesem Dienstag morgen aufgestanden, um rechtzeitig zum Sonnenaufgang wach und am richtigen Ort zu sein. Es war dunkel und die Sterne funkelten noch hell am Himmel. Entsprechend entspannt habe ich mich fertig gemacht. Beim Ball Bay Campgrund, an dem ich gestern Nacht ankam, gab es zwar keine Dusche, aber ein sauberes Bad und sogar den typisch australischen Grill. Denn noch habe ich mich zum Frühstück auf schnelle, einfache Cornflakes geeinigt.
Als es langsam etwas heller wurde, lockte mich das rauschen des Meeres hinter die Bäume zu Strand. Gestern kam ich leider zu spät an und war auch etwas besorgt um mögliche Krokodile in der Gegend. Kurz vor 6 Uhr würde es dann doch schneller hell als angenommen und ich musste mich langsam beeilen noch rechtzeitig zum richtigen Strand zu fahren.

Kängurus am Casuarina Beach
Beim Casuarina Beach angekommen, war schon alles im Gange und ich habe kaum noch einen Parkplatz gefunden. Auch hier war der Strand hinter einer dichten Waldreihe versteckt. Ich hatte vorab schon gelesen, dass es wohl sehr touristisch sein soll, dennoch war ich etwas überrascht über die große Menschenmenge. Erst nach ein paar Metern den Strand entlang bin ich tatsächlich im Geschehen angekommen. Es war ruhig, kaum eine Stimme zu hören. Nur staunende Gesichter und konzentrierte Fotografen, die versuchten das perfekte Bild vom Känguru beim Sonnenaufgang am Strand einzufangen. Ich war natürlich eine davon. Da alle auch nur auf einer Seite standen, war die Menschenmasse gar nicht so schlimm und ist auf den Fotos auch nicht zwingend sichtbar.










Ein paar Fotos später kehrte ich langsam wieder um und entdeckte noch zwei Wallabys, die gerade zurück in den Busch hüpften. Als ich mich dann nochmal kurz umdrehte, entdeckte ich doch noch einen traumhaft schönen Sonnenaufgang. Der Himmel leuchtete gelb-orange, im Hintergrund die Silhouette der Wedge Island, hinter der die Sonne gerade zum Vorschein kommt und vorne am Strand waren noch immer ein paar Wallabys am futtern.

Fahrt zum Eungella Nationalpark
Nach und nach verschwanden mehr Kängurus und auch die Menschenmasse löste sich wieder auf, sodass auch ich mich langsam wieder los machte. Meine nächste Station war der Eungella Nationalpark, etwa 1 h Fahrt weiter westlich ins Land. Die asphaltiertierte Straße wandelte sich schon schnell in einen festen Sandweg, der mich zwar überraschte, meinem Nissan X-Trail aber keine Probleme bereitete. Spannender wurde es, als überall vor und neben mir Berge auftauchten und ich nach der Fahrt durchs Tal am Fuße des Berges landete, den Nessi und ich nun zu bezwingen vor uns hatten. Die Fahrt hinauf war steil und kurvig. Vor allem die letzte Kurve, mit fast 360° Wendung, war herausfordernd, aber im langsamen Tempo gut machbar. Zwischendurch weckte mich auch mehrfach das ratternde Geräusch, eines Gitters, welches die Autos sicher über Wasserrillen fahren ließ.
Start meiner Wanderungen
Oben angekommen fuhr ich durch den kleinen Ort Eungella und stoppte, als ich bei einem Mini-Parkplatz mit Info-Schildern ankam. Ich schaute mich um und überlegte mit der Karte, was genau ich mir heute überhaupt angucken wollte. Nebenan hörte ich merkwürdige Geräusche und bemerkte den Eingang zu einem kleinen Wanderweg. Ich warf einen Blick hinein und sah massenweise schwarze Dinge in den Bäumen hängen. Bei näherem Betrachten erkannte ich die Fledermäuse, die auch Ursache des Gekreisches waren – und wahrscheinlich auch des leicht unangenehmen Geruches in der Luft.
Pine Grove Circuit
Kurzerhand schnappte ich mir meine Kamera, cremte mich fix mit Sonnenschutz ein und machte mich auf den Weg den Pine Grove Circuit zu erkunden. Immer mehr Fledermäuse sah ich an den Bäumen hängen, größtenteils schlafend, manchmal aber auch sich bewegend und davon fliegend. Es stellte sich jedoch heraus, dass die Fledermäuse mich nur auf den ersten paar Metern begleiten sollten. Dann entfernte ich mich von ihnen und es wurde ruhiger, umso tiefer ich mich in den Dschungel hinein bewegte. Rechts neben mir bemerkte nach einer Weile ich die Steigung des Berges und links von mir erschien ein steiler Abhang, der sich in Bäumen und Büschen versteckte. Zwischen all dem Grün erreichten nur punktuell Lichtstrahlen den schmalen Weg, der mich führte. Nach einer Weile erreichte ich eine Abbiegung, glücklicherweise mit einem Schild, das mir den Weg zeigte. Ich hatte die Wahl nach links zu gehen, den Cedar Grove Track entlang und mich weiter vom Auto zu entfernen, aber dafür dem Tree Arch (einem großen Baum, der ein Tor zum durchgehen bildet) zu begegnen. Stattdessen entschied ich mich für den Weg nach rechts, der den Circuit beenden und mich wieder zu meinem Auto führen sollte.








Damit war meine erste Wanderung durch den Eungella Nationalpark zwar beendet, meine Entdeckungstour aber noch lange nicht fertig. Mit dem Auto fuhr ich nur 2 km weiter, bis ich beim Sky Window Lookout ankam. Dieser kleine Platz bot den australischen Grill, Picknick-Bänke mit Tischen und etwas weiter hinten ein kleines Sanitär-Häuschen. Der ideale Platz für ein kleines Mittagspäuschen, nachdem ich schon so lange wach war.
Sky Window Lookout
Beim Essen waren mir gleich mehrere Wege aufgefallen. Der erste wäre der, bei dem ich rausgekommen wäre, hätte ich bei der anderen Wanderung die andere Richtung eingeschlagen. Der letzte würde mich 8,2 km den Clark Range Track entlang zum Broken River führen. Dazwischen lagen Ein- und Ausgang zum tatsächlichen Lookout. Die Strecke des Bandala Yalga Circuit war kurz, aber definitiv atemberaubend. Eine Plattform markierte den idealen Aussichtspunkt. Vom Walde heraus konnte man hier hinunter ins Tal blicken, welches links und rechts von Bergen umhüllt wurde. Ein beeindruckendes Kunstwerk, wie der dunkelgrüne Wald der Berge sich hinunter ins Tal schlängelte, während hellgrüne Wiesen versuchten sich dazwischen einzugliedern. Punktuell dazwischen ein paar weiße Häuschen, die sich erst bei genauerem Hinsehen blicken lassen. Darüber der tiefblaue Himmel, der sich hinter Zuckerwattewolken zu verstecken versucht. Eine ganze Weile blieb ich dort, bevor ich mich wieder auf den Weg machte.

Schnabeltiere im Brooken River?
Mein nächstes Highlight war der Broken River. Er ist berühmt für seine wildlebenden Schnabeltiere. Entlang des Flusses sind entsprechend mehrere Aussichtspunkt und Schautafeln, mit denen man die seltsamen Tiere kennenlernen kann. Ich nahm zunächst den Weg in den Osten, wo ich schon nach wenigen Metern unter einer Brücke stehen blieb, über die ich eben noch mit dem Auto fuhr. Von hier aus konnte ich zwar keine Schnabeltiere entdecken, aber dafür ein paar Schildkröten, die sich am Ufer unter der Brücke aufhielten.
Als ich bei der nächsten Plattform ankam, war ich einen Moment ganz für mich alleine, hielt ausschau und las mir die kleinen Schautafeln durch, die vom Leben der kleinen Wesen erzählten. Eines davon verriet mir, dass die beste Zeit zur Schnabeltier Beobachtung entweder morgens, oder später Abend zur Dämmerung war. Ich hatte meine Chancen schon gegen null gerechnet, schließlich war es mitten am Tage wohl am unwahrscheinlichsten.
Kurz darauf kam ein Pärchen vorbei und ich fragte Mal nach, ob sie vielleicht schon eins gesehen hätten. Völlig überrascht hörte ich ihr zu, wie sie von den beiden Schnabeltieren am anderen Ende des Flusses berichtete. Mit strahlenden Augen machte ich mich auf schnellstem Wege zur westlichen Aussichtsplattform, wo schon einige andere waren. Hier war ich also richtig. Es dauerte gar nicht lange, bis ich das erste kleine Wesen auf der anderen Seite des Flusses im Schatten erahnen konnte. Währenddessen tauchte ein anderes kurz vor mir auf und kurz darauf wieder unter. Ich hatte zwar schon Schnabeltiere gesehen, aber das hier war für mich etwas ganz besonderes. Immer wieder tauchten die beiden Wunderwerke der Natur für einen Moment auf, um sich uns zu sonnen und gleich wieder zu verschwinden. Gegenseitig unterstützen wir Beobachter uns, die auftauchenden Tiere zu entdecken. Nebenan hörte man das Rauschen eines kleines Wasserfalls. Dennoch konnte ich in Ruhe das Schauspiel beobachten, die Natur genießen und den Moment fotografisch einfangen.



Eine Weile später hatten die Tierchen wohl genug, brauchten eine Pause und zeigten sich nicht mehr. Ich hatte mittlerweile aber auch genug gesehen und machte mich gemütlich wieder zurück auf den Weg zum Auto. Etwas unsicher, vor allem im Bezug auf die Zeit und die restliche Strecke nach Airlie Beach, setzte ich mich nochmal einen Moment in mein Auto und überlegte, ob ich mir noch etwas angucke, oder gleich weiter fahre und wo ich die Nacht wohl schlafen könnte.
Mittagspause
Ich beschloss wieder zurück zu fahren, machte dann aber spontan eine Pause bei einem kleinen Café am Straßenrand. Eigentlich wollte ich mich nur kurz erkundigen, aber mein Magen beschloss, dass es mittlerweile Zeit für etwas richtiges zu Essen war. Ich plauderte etwas mit den beiden Australiern, die den kleinen Laden unterhielten. Es war eine Mischung aus Café, Restaurant und Supermarkt – das wesentlichste von allem auf einen kleinen Raum vereint. Auch wenn mir mein herzhaft belegtes Croissant etwas zu groß und salzig war, mag ich dieses Café doch sehr gerne, vor allem weil die beiden Locals mir Tipps aus der Gegend mitgegeben haben.
Auf dem Weg zur Finch Hatton Gorge
Eine Empfehlung davon war die Finch Hatton Gorge, bei der ich mir unsicher war, ob es sich lohnt und in meinen Zeitrahmen passt, letztendlich aber froh bin, mich doch für diesen kleinen Abstecher entschieden zu haben.
Bei meiner Fahrt den Berg hinunter konnte ich zwischen den Kurven auch von hier aus das Tal bewundern. Mein Auto brauchte gar keinen Treibstoff, nur fast durchgehend den Fuß auf der Bremse – trotzdem war es ganz schön schnell und ich noch dichter am steilen Abhang. Aber die Strecke war relativ kurz und im handumdrehen gemeistert. Die weitere Fahrt war relativ entspannt, nur dass ich fast das Abbiegen verpasste und kurz beim Zuckerrübenfeld umdrehen musste. Danach landete ich für einige Meter wieder auf einem festen Sandweg. Kurz vor dem Ziel wurde es wieder kurviger und während ich im dichten Wald hinein fuhr, an einigen Campingplätzen vorbei, gab es drei Stellen, in denen mein Auto kurz baden musste, um weiter zu kommen. Damit nicht die ganze Straße bei Nässe überflutet wurde, hat man Vertiefungen geschaffen, über die das Wasser seinen Weg zur anderen Seite schafft. Da Brücken wohl zu teuer sind, gab es an der Seite nur einen Wasserstandsmesser und Autos müssen kurz durch das flache Flüsslein spritzen.
Erfolgreich bei meiner letzten Wanderung angekommen war es mittlerweile schon 15 Uhr. An sich ja noch nicht so spät, aber ich hatte noch zwei Stunden Autofahrt vor mir, um morgen früh pünktlich in Airlie Beach zu sein, für meine gebuchte Tour zu den White Sundays. Zusätzlich war der Campingplatz, den ich mir für die Nacht ausgesucht hatte, nur bis 18 Uhr offen, wenn ich erst vor Ort buchen würde. Aber ich beschloss mir darüber später Gedanken zu machen und noch eine letzte Wanderung für heute zu genießen.
Abseits des Weges
Zunächst führte mich das Rauschen von Wasser und meine Neugierde etwas abseits des Weges mitten ins Gebüsch. Ich war zwar nicht die erste, die dort entlang lief, musste aber trotzdem aufpassen, wo ich hintrete. Erfolgreich landete ich schon nach kurzer Zeit bei einem Fluss, der durch kleine und riesige braun-graue Steine floss und sich an der Stelle etwas weitete.


Ich bin zurück auf den offiziellen Weg, der mich weiter in den Dschungel hinein führte. Entlang verschiedenster Pflanzen und gar naturgemachten Skulpturen kam ich zu weiteren geöffneten Stellen, an denen ich den Verlauf des Flusses beobachten konnte. Der Weg war manchmal gesäumt von Steine und Wurzeln, die als ideale Stolperstelle wirkten, wenn man nicht guckt, wo man hinläuft.









Araluen Cascades
Nach einem Großteil des Weges kam ich wieder zu einer Weggabelung, die mir die letzten 400 Meter zu den Araluen Cascades zeigte. Der Weg erinnerte mich etwas an meine erste Wanderung heute, denn auch hier ging es rechterhand bergauf und links einen steilen, bewachsenen Abhang hinunter. Dieses Mal landete ich bei einer Aussichtsplattform mit Blick auf einen kleinen Wasserfall, der in eine kleine Badestelle mündete. Die Treppe hinunter war bereits eine kleine Familie, die sich im Wasser abkühlte. Da die Zeit drängt, ich keine Badesachen da hatte und auch noch leicht erkältet war, entschied ich den Teil zu überspringen und den Ort im trockenen auf mich wirken zu lassen.
Callistenon Crossing
Trotz Blick auf die Uhr bin ich zurück bei der Weggabelung noch in die andere Richtung gegangen. Ich hörte die Familie in der Ferne und wusste, dass der letzte Teil des Weges nachher gesperrt war, sodass ich meiner Neugierde nachgab und doch noch zum Callistenon Crossing ging. Hier war der Fluss deutlich weiter und rauschte zwischen mehreren kleinen und großen Steinen den Berg hinunter. Es waren zwar mehr Steine als Wasser, aber dennoch schön anzusehen. Etwas Wasser lief sogar auf dem Sandweg entlang und man musste fast von Stein zu Stein springen, um auch einen letzten paar Meter bis zur Sperrung zu bezwingen.





Rückfahrt und Unterkunftssuche
Als ich wieder zurück beim Auto war, war es schon nach halb fünf, sodass ich es nicht rechtzeitig im Hellen nach Airlie Beach schaffen würde. Ich musste erstmal losfahren und mir einen Ort mit Empfang suchen. Bei der Cattle Creek, an der ich heute morgen schon vorbei kam, machte ich halt und rief bei dem NRMA Campingplatz an, den ich mir für die Nacht ausgeguckt hatte. Die Frau war sehr geduldig, denn mehrfach brach der Anruf ab, während ich telefonisch einen Platz buchte. Aber alles lief gut und ich kam heil beim Camping an, in dem ich zum Glück nur wenig Zeit brauchte, um mein Dachzelt aufzubauen und mich für die Nacht fertig zu machen.





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