
Die Hitze der Tropen
Als ich in Darwin, in den Tropen Australiens, abends aus dem Flughafen ausgestiegen bin, war mein erster Gedanke: „Wow! Es ist tatsächlich so heiß, wie ich es erwartet hatte“. Entgegen meiner Erfahrungen aus Singapur war es aber gar nicht so schlimm, wie ich dachte. Ja, es ist extrem heiß hier – im Schnitt immer um die 30 °C, teilweise sogar bis zu 40 °C, was sich manchmal anfühlt, als würdest du im Ofen sitzen oder jemand würde gerade deine schwarze Hose in Flammen setzen – aber es ist erträglich und nach einer Weile gewöhnst du dich tatsächlich etwas daran. Meistens bin ich im Gebäude, wo es überall Klimaanlagen gibt. Es gibt aber tatsächlich auch Momente, wenn du beispielsweise gerade aus dem Pool kommst, an denen dir selbst draußen kalt werden kann – trotz der 28 °C Außentemperatur.
Die Luftfeuchtigkeit ist zwar nicht so unangenehm wie gedacht, aber man merkt trotzdem, dass wir uns aktuell in der Wett-Season (der Regensaison) befinden. In den ersten Tagen gab es jeden Abend, als es bereits dunkel war, extrem lautes Gewitter und Regen wie aus Eimern. Einmal war es so stark, als wäre der Blitz direkt neben mir eingeschlagen. Ich saß gemütlich in meinem Bett, hatte mich an die Gebäudeaußenwand gelehnt und habe noch etwas an meinem Laptop gearbeitet – die Kinder schliefen schon, Bettzeit ist immer gegen 20 Uhr. Es hat geschüttet und auch das Gewitter war nicht zu überhören. Plötzlich hörte ich direkt hinter mir nicht nur den Blitz lautstark einschlagen, sondern hatte das Gefühl, ihn spüren zu können – nur eine leichte Vibration an den Wänden, aber ein sehr intensives Erlebnis, was sich kurz danach noch stärker wiederholte. Es war, als müsste der Schlag direkt in den Baum 10 Meter vom Haus entfernt eingeschlagen sein. Später stellte sich heraus, dass es doch noch 3 und 1,5 Kilometer weit weg war. Aber wenn es sich so weit weg schon so dicht anfühlt, dann will ich mir gar nicht vorstellen, wie es ist, wenn er tatsächlich direkt neben mir einschlägt.
Der erster Tag in meiner Gastfamilie
Da mein Flugzeug erst kurz vor Mitternacht ankam und meine AuPair-Familie noch etwa 3 Stunden Autofahrt von hier entfernt lebt, hat meine Gastmutti mir für die erste Nacht ein Hotelzimmer im Novotel Darwin Airport gebucht und mich dann am Mittwoch nach dem Frühstück abgeholt. Begrüßt wurde ich von meiner niederländischen Gastmutti und ihren drei Kids, zwei Mädels – 7 und 9 Jahre alt – und deren großer Bruder – 12 Jahre alt. Der Papa, ein halb-Aborigines, hat die Familie schon seit längerem verlassen – aber die Mutti ist eine ziemlich toughe Frau und kommt an sich gut alleine mit ihren Kindern zurecht, sucht aber jemanden, der ein Auge auf sie hat, damit sie keinen Unfug anstellen, während sie arbeiten ist.



Während der dreistündigen Autofahrt hatte ich genug Zeit, mich mit meiner Gastmutti austauschen, mich noch mal kurz auszuruhen und die Landschaft zu betrachten. Die Straße war ziemlich breit und links und rechts war noch viel Platz, bevor meistens kleine Bäume und Büsche den Blick beendeten. Am Straßenrand konnten wir ein Känguru nach dem anderen bewundern, bzw. es schien auch uns seelenruhig zu beobachten.
Als wir dann in Jabiru, einem Arbeiterort, ankamen, habe ich zunächst kleine Gastgeschenke verteilt: zwei Spiele (UNO Flip und Spot it, bzw. Dobble im Deutschen) und eine Packung Kekse, damit jeder etwas zum Auspacken hatte. Nachdem ich etwas Zeit für mich zum Ankommen hatte, wollten die Kids auch schon gleich die Spiele ausprobieren. Also haben wir uns mit einer Decke auf den Boden gesetzt und bis zum Abendessen gespielt.
Sommerferien
Während die Kinder ihre restlichen Sommerferien genossen und die Mutti arbeiten war, hatte ich die Kids ziemlich den ganzen Tag um mich. An sich sind sie sehr pflegeleicht und selbstständig. Ich war überrascht, als sie sich zum Mittag auch selbst eine Kleinigkeit gemacht hatten – auch wenn es nur Chinanudeln waren. Zum Nachmittag bin ich dann regelmäßig mit den Kleinen zur Bibliothek hier im Ort gegangen. Entgegen meiner Erwartungen sind sie nicht mit Büchern in der Hand auf ein Sitzkissen gefallen, sondern eher direkt an die Computer gesprungen, um Roblox zu spielen. Das war mir aber recht, so konnte ich mir ein Reisebuch schnappen und meinen weiteren Trip etwas planen. Als wir dann wieder zurück waren, gab es meistens eine heiße Schokolade, weil ich die auch ganz gerne mag. Zu den drei Kindern meiner Gastmutti habe ich in der zweiten Woche auch noch zwei weitere Kinder zur Aufsicht bekommen, da eine Freundin zu Besuch war und mit ihr einen Kurs gemacht hatte. An den Aktivitäten mussten wir nicht viel ändern, die beiden spielen auch gerne in der Bibo am PC. Jedoch war es mit den beiden deutlich lauter, aber auch sie gehorchten größtenteils.
In der Woche wurde ich auch darüber aufgeklärt, dass die Bibliothek während der Ferien Aktivitäten veranstaltet, wie Malen oder Lego. Tatsächlich war es echt schwer, die Kinder vom Computer wegzuholen und zum Malen zu überreden. Mit der Motivation ‚Ich male schnell etwas fertig, damit sie mich in Ruhe weiter spielen lässt‘, ging es dann teilweise und zumindest zwei von fünf haben sich Mühe gegeben.

Erkundungstour durch Jabiru
Am Samstag haben wir gemeinsam den Ort erkundet. Zuerst ging es am kleinen Jabiru Airport vorbei zur Ranger Uranium Miene. Dabei erklärte sie mir, dass Jabiru in den 1980er gebaut wurde, für die Touristen, die den Kakadu Nationalpark erkunden wollten, aber auch für die Arbeiter, die in der Miene Arbeit fanden. Diese Uran-Miene befindet sich mitten im Nationalpark, ist aber mittlerweile wieder stillgelegt worden, weil die weitere Uran-Förderung zu teuer wäre. Stattdessen soll die Miene wieder in den Nationalpark eingegliedert werden, was sicherlich noch ein paar Jahre dauern wird.
Weiter ging es Richtung Ubirr, wo wir auf halber Strecke stoppen mussten, da die Straße (Magela creek crossing) – wie es in der Wett-Season (der Regensaison) hier üblich ist – vollkommen überschwemmt war. Etwa 1,2 m lag die Straße unter Wasser, was sich ein paar Einwohner zum Angeln zunutze gemacht haben. Wir sind ausgestiegen und haben uns alles genauer angesehen. Tatsächlich habe ich sogar mein erstes wild lebendes Krokodil entdeckt – weit genug entfernt und schwer zu sehen, aber es war da und lag ganz seelenruhig im Wasser und hat sich nicht bewegt.

Unsere letzte Station waren die Mamukala Wettlands, wo wir in dem Aussichtsstand das überschwämmte Gebiet mit den Seerosen und kleine grüne Ameisen betrachteten. Außerdem gab es Informationsschilder, die ich kurz angesehen habe, mit dem Fazit, das es in ein paar Monaten ganz anders aussehen wird. Auf unserem Rückweg sind wir dann noch ein paar Kängurus, einem Adler und sogar einer Kragenechse begegnet. Letztere hat sich wohl gerade auf der Teerstraße gewärmt und ist dann würdevoll mit geöffnetem Kragen auf ihren Hinterbeinen ins Gebüsch gegangen.




Zum Abendessen sind wir dann in die Aurora Kakadu Lodge gefahren, wo wir uns im kleinen aber schicken Pool etwas abkühlen konnten, bevor die Bar öffnete und wir unser Essen bestellen konnten. Interessanterweise gibt es kein Menü ausgehändigt. Stattdessen konnte man das entweder der Tafel entnehmen, oder deren regelmäßigen Posts in der Jabiru Facebook-Gruppe. Die Auswahl ist beschränkt – was aber auch nachvollziehbar ist, wenn die meisten Touristen erst in der Dry-Season (der Trockensaison) kommen, sobald auch die meisten Wanderwege wieder eröffnen. Es war zwar teuer, aber dafür sind die Portionen auch ziemlich füllend, vor allem der hohe Pommesanteil ist schwer zu schaffen.


Shopping in Darwin
Da die Auswahl zum Einkaufen in Jabiru – mitten im Nationalpark – ziemlich begrenzt ist und auch die Preise gefühlt doppelt so hoch sind, sind wir an meinem zweiten Wochenende und dem letzten vor dem Schulstart allesamt nach Darwin zum Gateway Shopping Center gefahren. Wir sind relativ früh los, damit wir nach 2,5 Stunden Fahrt zur Mittagszeit im Einkaufszentrum ankommen. Dort ging es zuerst in ein Sushi-Train Restaurant. Die Tische waren an einem Tresen gereiht, wo durchgehend verschiedene kleine Sushi-Teller entlang fuhren. Zusätzlich konnte man auf die Tischnummer online auch anderes bestellen. Das wurde dann per ICE zu uns geliefert und nachdem dieser die Tischnummer nannte, musste man ihn schnell abladen, damit er zurückfahren und die nächste Bestellung liefern konnte. Ein ziemlich cooles Konzept, jedoch nicht ideal, denn – zum Glück zu unseren Gunsten – hat der Zug wohl mehrfach versehentlich unsere Tischnummer genannt, statt sein tatsächliches Ziel gegenüber. Da wir aber auch nicht sicher waren, was genau wir bestellten und wir uns natürlich auf den Zug verlassen haben, gab es dann etwas mehr zu essen für uns, wofür meine Gastmutti im Nachhinein auch nicht extra zahlen musste. Es war echt lecker und kann es wärmstens weiterempfehlen.
Anschließend hatten wir uns noch kurz mit einer Freundin von ihr getroffen und Eis gegessen, bevor der große Einkauf dran war. Der Einkaufswagen war bis oben gefüllt und alles wurde von der Kassiererin in die mitgebrachten Kühltüten sortiert, damit es auf der Heimfahrt durch die Hitze nicht schon schlecht werden würde. Vorab hat meine Gastmutti auch beim Fleischer eine große Mischung von all möglichem bestellt, was wir im Anschluss nur noch zahlen und abholen mussten. Als wir dann am späten Nachmittag wieder zurück waren, wurde der Großteil in die Gefriertruhe oder im Kühlschrank verstaut. Die Kinder essen abends immer sehr gut, auch wenn man es ihnen keineswegs ansieht, aber entsprechend schnell ist auch alles verbraucht.

Der Alltag nach dem Schulstart
Als die Kinder dann ab Mittwoch, den 29. Januar – am Montag war nationaler Feiertag und am Dienstag der Vorbereitungstag für die Lehrer – wieder zur Schule gingen, hat sich auch für mich langsam wieder ein anderer Alltag eingefunden. Schon frühs zwischen 6 und 7 Uhr sind alle (außer ich) wach geworden und konnten sich entspannt fertigmachen und noch etwas fernsehen, bevor die Kinder gegen 8 Uhr selbstständig zur Schule gefahren sind, die auch nur 5 Minuten mit dem Fahrrad entfernt ist. Ich hatte also genug Freizeit, wo ich unter anderem meine Reise weiter plante, am frühen Nachmittag zum Freibad bin, um meine 10 Bahnen zu schwimmen, und endlich Zeit gefunden habe, um mit meinem Blog zu starten.
Sobald die Kinder gegen 15 Uhr dann zurück waren, war es meine Aufgabe, auf sie aufzupassen, bis die Mutti von der Arbeit zurück war. Wir sind meistens direkt in die Bücherei gefahren, die auch nur bis 16:30 Uhr in der Woche geöffnet war, weil das für die Kids die einzige Möglichkeit war, am Computer zu spielen. Zuhause haben sie kein Handy, was ich sehr befürworte in dem Alter. Stattdessen haben sie nur den Fernseher, worüber die Kinder auch öfter mal YouTube Reels gucken – was ich persönlich nicht gut finde, ihnen aber auch nicht verbieten kann. Gelegentlich erlaubt die Mutti auch, dass die Kids kurz an ihrem Handy spielen oder am Tablet etwas anderes gucken können – letztenendes bleibt ihnen also fast nur die Bücherei, um mit der modernen Technik zu spielen. Eine Zeit lang ist die Mutti, die schon früher zurück war, dann auch mit ihnen in die Bücherei gefahren und mittlerweile dürfen sie auch ohne Begleitung dort hin, wie es auch viele andere Kinder in diesem kleinen Ort machen.

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