Freshwater Railway Station
Bereits um 7:15 Uhr wurde ich von einem großen Bus bei meinem Hostel abgeholt. Vor dem Hostel warteten mehrere Reisende, doch ich und ein anderer waren bei diesem Bus nach Kuranda gelistet. Auf dem Weg zur Freshwater Railway Station haben wir noch einige andere eingesammelt, bevor wir gegen 8 Uhr am Bahnhof rausgeschmissen wurden. Der Fahrer gab uns während der Fahrt noch einen Überblick zum Ablauf, ließ uns dann aber alleine.
Als ich da am Bahnhof stand, war ich erstmal etwas verwirrt, da wir noch etwa eine Stunde Zeit hatten, bevor die Bahn überhaupt kommen würde. Schnell stellte sich heraus, dass die Erkundungstour bereits hier beginnen sollte. Es war wie ein kleines offenes Museum mit mehreren Informationsartikeln über die Entstehung dieser Eisenbahnstrecke, die ungefähr von Cairns hoch in die Berge führen sollte.




Geschichte der Scenic Railway
Gebaut wurde sie von 1886 bis 1891, nachdem aufgrund der Regenzeit 1881 Straßen unpassierbar wurden, die die Zinnbergleute mit Vorräten versorgen sollten. Es musste ein neuer Weg zur Küste entstehen, jedoch erwies sich der Bau einer weiteren Straße durch die Berge als problematisch. Nach Untersuchungen und vielen Überlegungen zu möglichen Routen ist der Entschluss letztendlich auf die Strecke durch die Barron Valley gefallen. Zu der Zeit benötigte der Bau einer solch anspruchsvollen Bahnstrecke nicht nur Dynamit und Handwerkskraft, sondern vor allem eine gute Strategie. Die Arbeitsbedingungen auf dem Berg im Dschungel waren schwierig, wodurch offiziell 32 Männer ums Leben kamen – sowohl durch Arbeitsunfälle als auch durch Krankheiten, Schlägereien und Schlangenbisse. *
Heute beeindruckt die Schmalspurbahn als nationales Ingenieurdenkmal mit 15 handgehauenen Tunneln von insgesamt 1,7 km und 55 Brücken, sowohl 250 m aus Stahl als auch 1,9 km aus Holz. Mit 98 Kurven beeindrucken vor allem die 180°-Wendung, bei der auch die Passagiere die volle Länge des Zuges bewundern können. Ein weiteres Highlight ist die Barron Falls Station, an der wir 10 Minuten Zeit hatten, um auszusteigen und den Wasserfall zu bewundern.







Ankunft in Kuranda
Nach etwa eineinhalb Stunden Fahrt und reichlich Informationen zur Strecke kamen wir um halb 11 in Kuranda an. Ich war zuerst etwas verloren, da ich bei all den Passagieren nicht wusste, wo die Reisegruppe ist, die die gleiche Tour gebucht hatte. Doch als ich aus dem Bahnhof rausging, erkannte mich ein anderer Guide anhand des Armbands, das wir bei der Abholung bekamen. Er war offen für Fragen und erzählte, dass ich gut eine Stunde in Kuranda hatte, um entweder das Butterfly Sanctuary oder den Ort und die Heritage Markets zu erkunden. Ich war zwar schon neugierig auf den Schmetterlingspark, jedoch gab es so viele Läden zum Stöbern, dass die Stunde schneller weg war als gedacht. Dafür war ich jetzt bereichert um eine Postkarte, interessante Schokoladenvarianten und kleine Gemälden über die sich meine Geschwister hoffentlich freuen werden.

Weiterreise zum Rainforeststation Nature Park
Pünktlich um viertel vor zwölf kam ich beim Australian Butterfly Sanctuary an, wo wir uns für die Weiterreise zum Rainforeststation Nature Park treffen sollten. Auch dieses Mal bekamen wir wieder einen kleinen Ablaufplan in die Hand gedrückt, der uns während der Fahrt noch kurz erklärt wurde.
Army Duck
Ziemlich eigenständig sind wir zum ersten Punkt auf der Liste: dem Gleis 2 der Army Duck. Mit einem Amphibienfahrzeug aus dem Zweiten Weltkrieg fuhren und schwammen wir eine Runde durch den Regenwald. Unterwegs hielten wir mehrfach an, damit der Fahrer uns erklären konnte, was wir alles sahen. Von Bäumen, die von Termiten ausgehöhlt und für Didgeridoos verwendet werden, über blaue Schmetterlinge bis zu verschiedenen tropischen Pflanzen war alles dabei. Besonders einprägsam war seine Warnung vor dem Australian Stinging Tree, den die Aborigines gympie-gympie nennen, was übersetzt wohl bad-bad (schlecht-schlecht) bedeutet. Dieses Brennnesselgewächs ist von haarfeinen Nadeln besetzt, deren Gift extrem schmerzhaft sein soll und auch langfristig bleibende Schäden verursacht. Fasziniert hat mich trotzdem am meisten, dass dieses Fahrzeug sowohl an Land als auch im Wasser fährt.









Mittagspause
In der nächsten Stunde hatten wir etwas Zeit für uns und vor allem, um am Buffet Mittag zu essen, was mir auch ziemlich gut schmeckte. Mehrere Tische waren für unsere Gruppe von Tropic Wings reserviert, dennoch war jede Gruppe für sich alleine, was ich mir anders vorgestellt hatte. Die ganze Zeit über war ich als Soloreisende ziemlich alleine. An sich gar kein Problem für mich, jedoch war es unter den ganzen Paaren und Familien als Backpacker schwer, Anschluss zu finden. Also bin ich schweigend alleine von Attraktion zu Attraktion gegangen, was für mich ja nicht ungewöhnlich ist, jedoch bin ich von anderen Backpackern ausgegangen, mit denen ich den Tag gemeinsam erkunden könnte.

Pamagirri Dacnce Performance
Pünktlich kurz vor 14 Uhr war ich beim Amphitheater, wo ich noch einen guten Platz ergattern konnte. Ich war zwar bei weitem nicht die Erste, aber erst danach wurde es richtig voll. Mit etwas Verspätung begann die Show dann auch.
Es wurden verschiedene kurze Tänze der Aborigines mit passender Begleitung durch Didgeridoo und Klanghölzer vorgeführt. Jeder Tanz hatte einen Titel, der Bezug auf die Situation (Begrüßungs-Tanz) oder ein Tier (Cassowary-Tanz) hatte. Im Stil waren sie irgendwie gleich, aber zum Titel auch angepasst. Zum Ende hin wurden drei Freiwillige mit auf die Bühne geholt, denen ein Tanz kurz beigebracht wurde. Die Interpretation und Ausführung der Laien war recht interessant zu beobachten.
Dreamtime Walk
Als die Show vorbei war, fühlte ich mich im ganzen Trubel ziemlich verloren, weil ich keine Ahnung hatte, wo genau ich als Nächstes hin sollte. Ich suchte nach Leuten, die das gleiche Armband wie ich hatten, und war ziemlich erleichtert, als jemand kam, der uns den richtigen Weg wies. Beim Dreamtime Walk sollten wir an verschiedenen Stationen bekannte Highlights aus der Kultur kennenlernen. Zunächst zeigte der Mann, der zuvor die Tänze moderierte und die Klanghölzer spielte, unserer Gruppe das Didgeridoo. In vier Schritten führte er uns vor, von der richtigen Lippenbewegung bis zum rhythmischen Spielen, wie man das Didgeridoo lernt. Ich hatte die ganze Zeit daran gezweifelt, ob ich das überhaupt hinbekommen würde. Letztlich kam es aber gar nicht dazu, dass ich es ausprobieren konnte. Abschließend gab er noch einen Exkurs zu dem musikalischen Klang dreier australischer Tiere. Besonders amüsant gestaltete er dabei das lautlose Känguru, wie es hüpft und sich den Bauch kratzt.
Gleich daneben lehrte er uns das Speerwerfen. Dabei gab es zwei Techniken. Eine um beispielsweise Fische in der Nähe zu jagen und die andere für den Wurf in die Ferne, in unserem Fall auf die Kokosnuss. Es war beeindruckend, wie weit er mit dem Speer kam, jedoch hatte er heute wohl kein Zielwasser getrunken.

Die dritte und letzte Station war das Werfen eines Bumerangs, der ursprünglich auch für die Jagd genutzt wurde. Auch dieses Mal war ich überrascht, wie weit sie fliegen und vor allem, dass sie mit der richtigen Technik tatsächlich zurückkommen. Dieses Mal durften wir uns selbst ausprobieren. Ich bewunderte das Talent mancher Werfer und versuchte, mir die Technik abzugucken. Jedoch war mein Wurf zwar nicht ganz daneben, aber so wirklich viel kam mein Bumerang nicht zurück. Wir waren eine ziemlich große Gruppe, sodass ich eine ganze Weile warten musste, bis jeder einzeln dran war. Da sich die Gruppe direkt nach dem Wurf auflöste, durfte ich sogar noch ein zweites Mal.
Wildlife Sanctuary
Anfangs war ich etwas verwundert, dass wir nur etwa eine halbe Stunde zum Schluss für den Wildlife Park hatten. Letzten Endes wurden nur ein paar heimische Tiere dort aufgefangen, nachdem sie nicht mehr ausgewildert werden konnten, sodass die Zeit vollkommen ausreichte. Gleich am Eingang entdeckte ich zwei Tasmanische Teufel und den Aushang, dass Taz, das braune Monster von den Looney Tunes, vom Tasmanischen Teufel inspiriert war. Ich finde die Kinderserie auch heute noch toll.

Zudem erstaunten mich die Krokodile, die dort ein neues Zuhause gefunden haben. Sowohl zwei kleine Süßwasserkrokodile als auch zwei gigantische Salzwasserkrokodile, die ich aus nächster Nähe von oben betrachten konnte. Es gab auch Koalas, mit denen man sich gegen Aufpreis sogar fotografieren hätte lassen könnte. Ich selbst hab mein Koala-Foto bereits im Caversham Wildlife Park in Perth gemacht. Dort konnte ich auch schon die frei herumlaufenden Kängurus streicheln und füttern, sodass ich das hier ausfallen ließ. Ansonsten sah man noch Wombats, Dingos und Schlangen und ein paar andere australische Wildtiere.








Abschiedseis
Abschließend habe ich mir noch zwei Kugeln Eis geholt. Eine mit Regenwaldfrüchten in Kakao und eine Kugel Kirsche mit Gewürzen – ich liebe es, neue Eissorten auszuprobieren. Der Kassierer hat mir kurz vor Ladenschluss sogar etwas mehr gegeben und mir nochmal meine Wasserflasche aufgefüllt. Zu der Zeit war auch schon der Bus wieder da. Der Busfahrer war zwar nicht begeistert, als ich mein Eis mit reinnehmen wollte, aber ich versprach ihm, aufzupassen. Erst jetzt kam ich richtig dazu, die neuen Geschmäcker auf meiner Zunge zergehen zu lassen. Ich bin riesiger Fan von beiden Sorten geworden, die sich gegenseitig ergänzten. Schon Schokolade mit Frucht war eine spannende Erfahrung, doch die Gewürze im Kirscheis warfen mich zurück in die Weihnachten, obwohl bei diesem sommerlichen Wetter kaum daran zu denken ist.

Skyrail
Auf der Fahrt zurück nach Kuranda und zur Skyrail erklärte er noch, dass wir dieses Highlight genießen und uns Zeit lassen sollten, um zwischendurch auszusteigen und uns die Stationen anzusehen. Also schlenderte ich gespannt durch den kleinen Souveniershop und musste etwas warten, während nach und nach die Gondeln gefüllt wurden und losfuhren. In die einzelnen Gondeln passten nämlich nur bis zu 6 Leute rein. Ich hatte später zwar auch die Möglichkeit, eine Gondel für mich alleine zu beanspruchen, wurde aber auch herzlich von einer kleinen asiatischen Familie aufgenommen. Diese hatte sich vorab eine App heruntergeladen, die etwas zu der 7,5 km langen Seilbahn erklärte. Jedoch für sie auf Chinesisch, was mir die junge Mutter stückweit übersetzte. So schwebten wir gemeinsam über dem tropischen Regenwald, ganz dicht über den Baumwipfeln. *





Barron Falls Station
Schon nach kurzer Zeit hielten wir bei den Barron Falls, dieses Mal auf der anderen Seite. Man musste ein paar Meter durch den Wald gehen, bis man bei zwei Aussichtspunkten ankommt. Von dieser über den Baumwipfeln schwebenden Brücke aus hatte man freien Blick auf den Wasserfall, der zum Ende der Trockensaison nicht mehr allzu viel Wasser hielt. Im Hintergrund konnte man sogar die Gleise der Bahn von heute Morgen entdecken.




Red Peak Station
Obwohl ich die Aussicht für mich alleine erkundete, landete ich danach wieder bei der gleichen Familie in einer Gondel. Ich hätte theoretisch auch alleine fahren können, aber die Viertelstunde ganz alleine fand ich doch nicht so reizend. Also ging es gemeinsam weiter zum Red Peak. Hier führte ein Ranger die Besucher zu verschiedenen Stationen des Boardwalks und erklärte besondere Pflanzen und Tiere des Regenwaldes. Da ich erst ziemlich spät aus dem Bus kam und entsprechend auch in einer der hinteren Gondeln saß, kam ich erst mitten in seiner Rede dazu. Dennoch lauschte ich ihm sehr gespannt bis zum Ende. Auf meine Frage, was ich zuvor verpasste, bekam ich noch eine Soloführung zum großen Baum am Anfang. Da nur etwa 5 % Licht am Boden des Regenwaldes ankommen, nahm sich diese Würgefeige als Strategie, oben auf einem anderen Wirtsbaum zu starten. Durch den Kot von Vögeln und Fledermäusen werden die Samen oben in die Baumkronen gesät, von wo aus die Feige nach unten wächst.




Endstation
Für die letzten Meter mit der Seilbahn zurück zum Smithfield Terminal in Cairns begleitete ich dieses Mal eine andere Gruppe Reisender. Die waren zwar etwa in meinem Alter, jedoch nur auf dreiwöchiger Urlaubsreise. Dieses Mal konnte ich mich tatsächlich aktiv ins Gespräch einbringen, während wir gemeinsam den Ausblick genossen. Der Busfahrer hatte Recht behalten, dass der Blick vom Berg über die Stadt aufs Meer hinaus besonders beeindruckend ist. Vor allem mit den Kängurus, die unter uns auf der Wiese grasten.



Mit als Letzte kam ich wieder unten an und habe auch gleich den vollen Bus gefunden, der mich wieder zurück zum Hostel bringen sollte. Nachdem ich heute Morgen bei der ersten Station einstieg, stieg ich auch als Letzte wieder aus. Tatsächlich war ich sogar alleine die Letzte im Bus, der versehentlich noch eine extra Runde drehte, bevor er mich mit ein paar Reiseempfehlungen vor dem Hostel rausließ.

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